Das SELFIE ist das neue BIG PICTURE – Ikonographie unserer Gesellschaft

Filter und Photoshop bis zum Abwinken. Das gilt für Instagram wie für Linked In. Social Botox. Mental & materiell. Bis tief unter die Haut. Das sagt mehr über uns als wir uns wünschen.

Manierierte Selfies sind entlarvende Röntgenbilder. Indem wir uns auf unsere Oberfläche – und Oberflächlichkeit – kaprizieren, kehren wir unser Innerstes nach außen.

Immer erfolgreicher, immer jünger aussehen, einander immer ähnlicher sein. Einer shoppt vom andern ab. Übrig bleibt ein einziges – gleichzeitig gravierendster System- und Schönheitsfehler – Ideal:
Nichts täuschen wir heute mehr vor als ‘Authentizität’.
Das Smartphone als unser aller Spieglein, Spieglein in der Hand.
Doch es lügt.

Für das egoistisch-euphemistische Abziehbild ‘Authentizität’ verzichten wir auf wahre Individualität. Für Erfolg verzichten wir auf Ecken und Kanten. Für die schnelle Mark auf nachhaltige Erfüllung und Selbstverwirklichung. Unsere innerste Leere stopfen wir mit flachster Hülle. So wollen wir sein. Mehr Schein(e) als Sein. Mehr Quantität als Qualität. Immer mehr vom immer Gleichen, nur das kann uns reichen.

Verzweifelt selbstbewusst trommeln wir mit unseren Social Media Fäusten ‘unsere’ Namen auf unsere Schmerz-geschwollene Brust:
ADIDAS mal BOSS mal BALENCIAGA,
GUCCI hoch PORSCHE hoch PRADA
reimen und rappen wir in überdimensionalen Lettern. Unsere Identität in ihren Schatten stellend. Der gemeinsam gestampfte hippe Hop übertönt jede Individualität.

Ob unserer Oberflächlichkeit reicht es der ‘ikonischen’ Marke, ihren guten Namen platt auf ein 08/15-Sweatshirt, -Kappe, -Jogginghose zu pressen. Warum sollte sie sich noch Mühe geben. Tun wir ja auch nicht. Ein veritabler Teufelskreis im ‘Fegefeuer der Eitelkeiten’.

Wenn wir alle uns nur selbst sehen in diesem Selfie/Spiegel, nur unseren Erfolg, unseren Vorteil, unseren Vorsprung vor allen anderen, und sei er noch so klein und irrelevant, verlieren wir den Nächsten, die Nächste, das nächste Jahr, die Zukunft, das Leben, das Große Ganze, die Schönheit, den Sinn des Ganzen, uns selbst aus den Augen.
Wir sehen die Welt nicht mehr wie sie ist, sondern wie wir sind.

Für unseren ‘Wohlstand’ verzichten wir auf unseren Verstand. Denken höchstens bis zum Tellerrand. Agieren gegeneinander statt miteinander. Sind des Menschen Wolf. Seine hässliche Fratze als Selfie jedem Traum und Ideal, jeder Vision, größer als wir selbst, dem Bigger Picture, dem Greater Good trotzig diametral in den Weg stellend. Wir meinen, wir wollen und können nicht anders. Doch es könnte so einfach sein.

Dies Bildnis des Dorian Gray scheint mir die ubiquitäre Ikonographie unserer Gesellschaft.

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#stopmakingsense #biggerpicturegreatergood #detoxorbetox

 


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